Ganz ehrlich, Social Media nervt mich nur noch. Dazu kommt, dass ich mich immer mehr über mich selber ärgere, nicht einfach schnell genug wieder vom Scrollen loszukommen. Immer wieder erwische ich mich, wie ich viel zu lange auf Insta oder Facebook suchte und gefühlt endlos im Stream hänge. Zack, sind 30 Minuten weg und wenn ich dann kurz darüber nachdenke, ist schon wieder eine weitere Stunde kaputt gescrollt. Der Algo verschlingt einen, man weiß es und kommt trotzdem oft nicht davon weg. Überhaupt hat sich vieles verändert und das nicht zum Guten. Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten auf Facebook, Instagram und vielen anderen Netzwerken reicht es so langsam. Am Anfang waren neben den bekannten Networks auch sehr interessante kleinere Netzwerke dabei, auf denen man neue Leute kennengelernt hat oder die sich gezielt abgrenzen wollten. Plurk oder Path wären hier zu nennen. Übrigens: Plurk gibt es immer noch und nach so langer Zeit habe ich mich mal wieder eingeloggt und es sind immer noch einige der gleichen User da, die sich jeden Morgen begrüßen und am Abend verabschieden. (woot) Hier hat sich scheinbar wenig geändert. Eigentlich Wahnsinn, in dieser sich so rasant drehenden Welt. Ein Hort der Beständigkeit. Google+ war auch so ein digitaler Treffpunkt, der mir gut gefallen hat. Leider hat sich hier nie der Erfolg eingestellt, daher wurde es eines der vielen Projekte von Google, die wieder eingestampft wurden. Vielleicht auch zum Glück, bestimmt hätte man hier auch alles dran gesetzt, den Algo und die KI so einzusetzen, dass die Leute nicht mehr davon loskommen.
Wenn man also mit der Entwicklung nicht zufrieden ist und wieder Herr über seine eigenen Inhalte werden möchte, dann muss man sich eben hinsetzen und sein eigenes Blog befüllen.
Dabei geht es mir nicht um Reichweite. Zumindest nicht, wenn es um die eigenen privaten Inhalte geht. Aber ich habe immer mehr das Bedürfnis, den eigenen Content auch unter meiner Kontrolle zu veröffentlichen. Alles an einem Ort, an einer Stelle. Kein Foto oder Video auf Instagram oder Facebook, kurze Gedanken auf Twitter/X und längere Texte auf dem Blog und alles getrennt voneinander. Alles an einem Ort, alles bei mir. Keine Inhalte, die man irgendeiner Plattform schenkt.
Mein selbst gehosteter Blog existiert schon eine Weile und vor diesem hatte ich auch schon einen anderen. Auf diesem wurden die Beiträge ausschließlich privat veröffentlicht. Die bleiben auch privat. Meine Gedanken, Familienkram, Kinderkram und einiges mehr. Dinge, die ich für mich notiert und festgehalten habe. Wenn ich aber auf dem öffentlichen Blog etwas veröffentlichen wollte, war dies immer mit mehr Arbeit und Zeit verbunden. Für einen einzelnen Gedanken oder ein Foto war hier nie Platz.
Also bleiben die Inhalte dort, wo sie hingehen, wenn man keine Alternative hat: bei den großen Plattformen.
Warum nicht einfach ein Theme bauen?
So entwickelte sich der Gedanke, ein eigenes Theme zu entwickeln, wo sich all das miteinander vereinen lässt. Ein Theme nach meiner Vorstellung und wie ich es mir wünsche. Eine einfache Möglichkeit, Blogbeiträge, Fotos und kurze Gedanken an einem Ort zu vereinen, ohne dabei auf Plugins oder eingebettete Feeds von den Netzwerken angewiesen zu sein.
Also habe ich mich hingesetzt und das ganze als Prompts in Claude gegossen, Claude Design geöffnet und damit etwas rumgespielt, bis ich soweit erstmal zufrieden war. Das Ergebnis ist hier zu sehen und bisher bin ich soweit recht happy. Wenn ich etwas ändern möchte, setze ich mich nochmal dran, aber für den Anfang soll es das gewesen sein. Ein schlankes WordPress Theme mit Blogbeiträgen, einem Foto- und einem Textfeed. Gut genug, ein oder mehrere Bilder oder kurze Gedanken zu veröffentlichen.
Gab es das nicht schon fertig?
Gute Frage und ich habe tatsächlich mal kurz Google gefragt. Es gibt auch Plugins, die einen Twitter-artigen Microblog in WordPress einbauen oder Themes mit Tumblr-Charakter, die verschiedene Post-Formate unterstützen. Aber ein fertiges WordPress-Theme, das einen normalen Blog, einen dedizierten Fotofeed und einen Kurztextfeed als drei gleichwertige, visuell eigenständige Bereiche zusammenbringt, habe ich nicht gefunden. Was es gibt, sind Workarounds und Puzzleteile, aber kein fertiges Gesamtpaket. Vielleicht gibt es das auch, wahrscheinlich sogar, aber ich habe es nicht gefunden und ehrlich gesagt auch nicht allzu lange danach gesucht.
Der eigentliche Antrieb: Selber machen wollen
Ich wollte es sowieso selber machen und ein eigenes Theme erstellen ist dank KI heute auch problemlos möglich. Idee skizzieren, mit der KI der Wahl das ganze Thema besprechen, einen Prompt erstellen, einfach anfangen und erst aufhören, wenn man damit zufrieden ist. KI hilft uns, Dinge, über die wir vorher nur nachdenken konnten, in die Tat umzusetzen. Vorher habe ich dazu einen Entwickler gebraucht. Neugierde hilft dabei sehr und natürlich die Lust neue Erfahrungen zu machen.
Der Blog ist aber auch ein Teil von etwas, über das ich schon länger nachdenke. Digitale Souveränität. Das klingt viel sperriger als es gemeint ist.
Es geht darum, wer meine Daten hat, wo sie liegen und was mit ihnen passiert. Unsere Fotos liegen bei Google Photos und iCloud. Die E-Mails bei Gmail. Dokumente verteilen sich auf US-amerikanische Cloud-Dienste, über deren Datenschutzpraktiken man sich im besten Fall keine Illusionen macht.
Das stört mich zunehmend. Nicht aus Paranoia, sondern weil ich finde, dass man als mündiger Nutzer eigentlich wissen sollte, was mit den eigenen Daten passiert, und weil ich die Kontrolle darüber haben möchte.
Hier fange ich also auch damit an und das soll es nicht gewesen sein. Die nächsten Schritte plane ich gerade. Mehr dazu zu gegebener Zeit in einem eigenen Beitrag.