Preiserhöhungen wurden bei Streaming- und Abo-Diensten seit Jahren fast schon Normalität. Eine kurze E-Mail kündigte an, dass der Beitrag steigt, und wer nicht aktiv kündigte, zahlte automatisch mehr. Zumindest Amazon hat sich diesbezüglich 2022 ein wenig verzockt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Preiserhöhungsklauseln von Amazon Prime für unwirksam erklärt.
Damals gab es circa 17 Millionen Amazon Prime Kunden in Deutschland und für sie bedeutet das Urteil, dass Amazon die höheren Gebühren ohne gültige Rechtsgrundlage erhoben hat. Betroffene haben Anspruch darauf, die zu viel gezahlten Beiträge zurückzuverlangen.
In diesem Beitrag erfährst du im Detail, was das BGH-Urteil bedeutet, welche zwei Wege du jetzt gehen kannst, um deinen Anspruch zu sichern und erhältst am Ende auch noch ein fertig formuliertes Musteranschreiben für Amazon.
Das BGH-Urteil im Überblick (Az. III ZR 205/25)
Hintergrund des Rechtsstreits war eine Klage der Verbraucherzentrale NRW gegen die Bestimmungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Amazon. Amazon hatte sich darin vorbehalten, die Preise für das Prime-Abonnement einseitig anzupassen.
Der Bundesgerichtshof stellte mit Urteil (Az. III ZR 205/25) klar, dass diese Klauseln die Verbraucher unzulässig benachteiligen und daher unwirksam sind. Eine Preiserhöhung erfordert einen transparenten Änderungsmechanismus oder die ausdrückliche Zustimmung der Kundschaft. Da Amazon die Beiträge einseitig angehoben hat, ohne dass Kundinnen und Kunden aktiv zustimmen mussten, waren die Preiserhöhungen rechtlich nichtig.
Alles, was Amazon über den ursprünglichen Vertragspreis hinaus abgebucht hat, wurde ohne Rechtsgrund erhoben und muss erstattet werden.
Wer ist betroffen & wie viel Geld steht dir zu?
Grundsätzlich sind alle Amazon-Prime-Mitglieder anspruchsberechtigt, die von einseitigen Preiserhöhungen betroffen waren. Besonders relevant ist die Anhebung aus dem Jahr 2022:
- Jahresabo: Der Preis stieg von 69,00 Euro auf 89,90 Euro pro Jahr (Differenz: 20,90 Euro pro Jahr).
- Monatsabo: Der Preis stieg von 7,99 Euro auf 8,99 Euro pro Monat (Differenz: 1,00 Euro pro Monat / 12,00 Euro pro Jahr).
Hast du beispielsweise drei Jahre lang den erhöhten Jahresbeitrag gezahlt, geht es um 62,70 Euro; bei vier Jahren sind es bereits 83,60 Euro. Auch ehemalige Prime-Mitglieder, die ihr Abo mittlerweile gekündigt haben, können die Differenzbeträge für den aktiven Zeitraum einfordern.
Zwei konkrete Optionen: So kommst du an dein Geld
Um deine Erstattung zu erhalten, stehen dir aktuell zwei konkrete Wege offen:
Option A: Kostenlos bei der Sammelklage anmelden (Sicherste Methode)
Die Verbraucherzentrale NRW führt eine offizielle Sammelklage (Abhilfeklage) vor dem Oberlandesgericht Hamm durch, um das Geld stellvertretend für die Betroffenen zurückzuholen.
- Gehe auf die Informationsseite auf Sammelklagen.de oder der Verbraucherzentrale.
- Nutze dort den bereitgestellten Link zum Klageregister des Bundesamts für Justiz.
- Trage dich dort kostenlos ein.
Dein großer Vorteil: Durch den Eintrag im Klageregister ist dein Anspruch rechtssicher geschützt und verjährt nicht, während das Gericht das Verfahren klärt.
Option B: Direktforderung an Amazon schicken (Schnellere Methode)
Wenn du nicht auf das Ende der Sammelklage warten möchtest, kannst du Amazon direkt kontaktieren:
- Berechne deinen Differenzbetrag aus deinen Konto-Abrechnungen.
- Fordere Amazon unter Berufung auf das BGH-Urteil (Az. III ZR 205/25) schriftlich auf, die zu viel gezahlten Beiträge innerhalb einer Frist von drei Wochen auf dein Konto zu erstatten.
- Verwende dafür das untenstehende Musteranschreiben.
Hinweis: Bei Kontaktaufnahme über den Kundenservice-Chat lehnt Amazon individuelle Anträge derzeit gelegentlich mit Verweis auf das laufende Verfahren ab. Ein schriftliches Anschreiben per Post oder Kontaktformular mit klarer Fristsetzung ist daher der verlässlichere Weg.
Was tun bei Ansprüchen von mehr als drei Jahren?
Ein häufiges Thema ist die Verjährung (regelmäßig 3 Jahre nach § 195 BGB). Wer auch den Betrag aus 2022 zurückfordern möchte, stößt bei Unternehmen oft auf Verjährungseinwände.
Hier hilft jedoch das BGH-Urteil: Die Verjährungsfrist beginnt nach der Rechtsprechung erst mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstand und der Verbraucher von den Umständen Kenntnis erlangte (§ 199 BGB). Da die Rechtslage erst durch das BGH-Urteil höchstrichterlich geklärt wurde, kann argumentiert werden, dass die Frist erst Ende dieses Jahres anläuft.
Tipp: Fordere im Anschreiben einfach die volle Summe inklusive aller vergangenen Jahre an. Zudem stoppt die Anmeldung im Klageregister (Option A) die Verjährung für den gesamten Zeitraum.
Kontaktdaten von Amazon für die Rückforderung
Sende dein Anschreiben an folgende offizielle Adressen:
- Per Post: Amazon Digital Germany GmbH Kundenservice / Rechtsabteilung Domagkstraße 28 80807 München
- Per E-Mail:
impressum@amazon.de - Per Kontaktformular: Über das Amazon Kontaktformular im Kundenkonto unter „Prime-Mitgliedschaft“ > „Problem mit Abbuchung“.
Musteranschreiben an Amazon (Zum Kopieren)
Kopiere einfach den folgenden Text, passe die Daten in den eckigen Klammern [...] an und sende das Schreiben per Post, E-Mail oder Kontaktformular an Amazon.
[Dein Vor- und Nachname]
[Deine Straße und Hausnummer]
[Deine PLZ und Ort]
[Deine E-Mail-Adresse des Amazon-Kontos]
Amazon Digital Germany GmbH
Domagkstraße 28
80807 München
[Aktuelles Datum]
Betreff: Rückforderung zu Unrecht erhobener Gebühren für meine Amazon Prime-Mitgliedschaft
Kundennummer / E-Mail: [Deine E-Mail-Adresse / Kundennummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit fordere ich Sie auf, die von Ihnen ohne gültige Rechtsgrundlage erhobenen Preiserhöhungen für meine Amazon Prime-Mitgliedschaft zu erstatten.
Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 01.10.2026 (Az. III ZR 205/25) entschieden, dass einseitige Preiserhöhungsklauseln in den AGB ohne ausdrückliche Zustimmung der Verbraucher unwirksam sind. Die von Ihnen vorgenommenen Preiserhöhungen erfolgten somit ohne rechtliche Grundlage.
Gemäß meiner Kontoübersicht wurden mir im Rahmen der Preiserhöhung(en) folgende Differenzbeträge zu viel abgebucht:
- [Jahr/Zeitraum 1, z. B. 2022/2023]: [20,90 €]
- [Jahr/Zeitraum 2, z. B. 2023/2024]: [20,90 €]
- [Jahr/Zeitraum 3, z. B. 2024/2025]: [20,90 €]
- [Jahr/Zeitraum 4, z. B. 2025/2026]: [20,90 €]
Daraus ergibt sich ein von Ihnen zu erstattender Gesamtbetrag in Höhe von: [Gesamtsumme, z. B. 83,60 €].
Ich fordere Sie hiermit auf, den Gesamtbetrag von [Gesamtsumme €] innerhalb einer Frist von drei Wochen, spätestens bis zum [Datum in 3 Wochen eintragen], auf folgendes Konto zu überweisen:
Kontoinhaber: [Dein Name]
IBAN: [Deine IBAN]
BIC: [Deine BIC]
Sollte die Frist fruchtlos verstreichen, behalte ich mir weitere rechtliche Schritte sowie die Anmeldung meiner Ansprüche im Klageregister der Verbandsklage vor.
Mit freundlichen Grüßen
[Deine handschriftliche Unterschrift bei Postversand]
[Dein Vor- und Nachname]
Kurzes Fazit und was ich jetzt mache
Das BGH-Urteil ist erstmal ein deutlicher Sieg für Verbraucherrechte. Was man daraus macht, liegt an jedem selbst. Ich werde mein Glück auf dem direkten Weg mit Amazon versuchen und dann hier ergänzen, was dabei herausgekommen ist. Vielleicht bieten Sie mir ja auch einen Gutschein an, bevor das Geld direkt Cash überwiesen wird. Mal sehen. Wenn du eigene Erfahrungen gemacht hast, dann lass gerne einen Kommentar da. Mich interessiert, wie deine Erfahrungen waren. Auch, falls du dich der Sammelklage angeschlossen hast, freue ich mich auf einen Kommentar.
Dir ist ein Fehler im Text aufgefallen? Dann schick mir gerne eine Nachricht oder hinterlasse einen Kommentar, dann korrigiere ich das.
Foto: Das Beitragsbild wurde mit Google Gemini (KI) erstellt.