Viele kennen und praktizieren den „Dry January“ – einen Monat ohne Alkohol, um nach den Feiertagen den Körper zu entlasten und gesünder ins neue Jahr zu starten. Ich habe vor sechs Jahren – vielleicht ist es auch schon länger her – beschlossen, diesen Ansatz auszudehnen und nicht nur den Januar, sondern auch noch Februar und März alkoholfrei zu verbringen. Nennen wir diese Phase einfach „Clear Mind Quarter“, der Begriff gefällt mir und trifft es auch ganz gut. Diese drei Monate der alkoholischen Enthaltsamkeit habe ich auch durchgezogen, wenn man die Corona-Jahre mal beiseite lässt, in denen die Wintermonate ohnehin durch größtmögliche Isolation und sehr wenig Aktivitäten geprägt waren. Als Corona dann endlich – mehr oder weniger – vorbei war, habe ich mein „Clear Mind Quarter“ wieder durchgezogen. Noch immer überzeugen mich die Vorteile und nach den ersten paar alkoholfreien Tagen verschwende ich kaum mehr einen Gedanken daran, Alkohol zu konsumieren. Außer ich werde gefragt, ob man nicht mal Lust habe, gemeinsam was trinken zu gehen. Manchmal sieht man richtig, wie Leute es nicht fassen können, dass man einfach so, auf Alkohol verzichtet. Aber auch die restliche Zeit des Jahres trinke ich nicht oft Alkohol, dazu habe ich einfach zu viel Respekt vor dieser Volksdroge, die jedes Jahr über 70.000 Menschen unter die Erde bringt. Unser Vater war schwerer Alkoholiker und ich kann mich an viele unschöne Momente erinnern, die wir im Laufe der Kindheit und Jugend erlebt haben. Letztendlich haben ihm der Alkohol und Tabak ein Ende, mit langer Krankheit und gezeichnet vom Krebs eingebracht, was auch für uns Brüder eine verdammt schwere Zeit war. Mit 59 Jahren ist er auch nicht sehr alt geworden. Alkohol und Tabak haben ihm viele Lebensjahre genommen und mir eine Lektion gelehrt. Alkoholabhängigkeit ist die Hölle!
Warum ich drei Monate auf Alkohol verzichte
Das war aber nicht der Grund, warum ich im Januar, Februar und März auf Alkohol verzichte. Die Idee, eine längere Alkoholpause einzulegen, übernahm ich von Freunden, die das selber praktizierten. Auch, weil ich mir gesundheitliche Vorteile, vor allem aber leichteres Abnehmen erhoffte – insbesondere nach der oft üppigen Weihnachtszeit, in der viel Süßes und Fettiges auf dem Speiseplan steht. Es sollte mir in erster Linie dabei helfen, ein paar Kilos zu verlieren, da Alkohol nicht nur leere Kalorien liefert, sondern auch den Fettabbau hemmt. Im Laufe der Abstinenz und Jahre habe ich festgestellt, dass diese Phase mir weit mehr bringt als nur einen leichteren Start ins Jahr.

Die Vorteile, die ich festgestellt habe
1. Gewichtsverlust – zwar moderat, aber spürbar
Nach drei Monaten ohne Alkohol konnte ich stets ein paar Kilo abnehmen. Zugegeben, der Gewichtsverlust war nicht so drastisch, wie ich es mir am Anfang erhofft hatte, aber er war konstant, schnell sichtbar und motivierend. Alkohol liefert viele überflüssige Kalorien, und der Verzicht darauf macht sich bemerkbar – besonders in Kombination mit einer bewussteren Ernährung.
2. Verbesserter Schlaf
Schon nach der ersten Woche ohne Alkohol wird mein Schlaf tiefer und erholsamer. Alkohol kann den Schlafrhythmus erheblich stören – vor allem die wichtigen REM-Phasen. Ich wache frischer auf, bin schneller leistungsbereit und fühle mich tagsüber energiegeladener.
3. Klarerer Kopf und bessere Konzentration
Ein weiterer Effekt, der mir besonders auffällt und gefällt, ist die mentale Klarheit. Ohne Alkohol bin ich in der Lage, mich länger und besser zu konzentrieren. Ob bei der Arbeit oder im Alltag – ich fühle mich produktiver und aufmerksamer.
4. Mehr Geduld und innere Ruhe
Ein unerwarteter, aber umso angenehmerer Vorteil: Ich bin weniger gereizt und gehe entspannter mit Stresssituationen um. Meine Geduld verbessert sich merklich, und ich reagiere ausgeglichener, selbst wenn die Umstände mal herausfordernd sind. Das ist insofern überraschend, weil ich sowieso schon wenig Alkohol konsumiere und eher ein Gesellschaftstrinker bin. Zu Hause haben wir bis auf ein oder zwei Flaschen Wein so gut wie keinen Alkohol. Wenn wir mal Besuch bekommen, dann muss ich also in der Regel immer erst was einkaufen. Ich sitze also sehr selten abends mit einer Flasche Bier alleine auf der Couch. Meistens trinke ich ein Glas Wein mit meiner Frau, wenn ich mal zu Hause etwas trinken sollte. Okay, es gibt eine Flasche Schaps, aber die setzt schon Staub an, weil sie so gut wie nie bewegt wird. 🙂
Die weiteren Vorteile eines „Clear Mind Quarter“
Neben meinen persönlichen Erfahrungen gibt es natürlich auch noch einige weitere Gründe, warum eine dreimonatige Alkoholpause sinnvoll ist:
1. Langfristige gesundheitliche Vorteile
Eine längere Abstinenz gibt der Leber mehr Zeit zur Regeneration, reduziert den Blutdruck und verbessert die Insulinempfindlichkeit. Auch das Immunsystem profitiert, da Alkohol die Abwehrkräfte schwächen soll.
2. Besseres Hautbild
Alkohol entzieht dem Körper Wasser, was oft zu trockener Haut und einem fahlen Teint führt. Nach drei Monaten ohne Alkohol sieht die Haut strahlender und gesünder aus. Ehrlicherweise kann ich da bei mir keinen großen Unterschied wahrnehmen.
3. Bewusstere Lebensweise
Ohne Alkohol werden Alternativen attraktiver: Ich trinke alkoholfreie Getränke, die ich normalerweise nicht trinke. Heute habe ich nach vielen Jahren mal wieder Karamalz getrunken. Das war wie ein geschmacklicher Ausflug in die Kindheit und überraschend erfrischend und lecker. Natürlich trinke ich noch mehr Wasser oder versuche mich auch mal an alkoholfreien Cocktails. Es hilft einem auch alte Gewohnheiten zu hinterfragen. Das „Clear Mind Quarter“ führt zu mehr Achtsamkeit und einem bewussteren Umgang mit dem eigenen Körper.
4. Kostenersparnis
Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt ist, zumindest sollte das der Fall sein, wenn man regelmäßig ausgeht, dass man bares Geld spart. Dann macht sich der Verzicht auf Alkohol schnell im Geldbeutel bemerkbar, sind alkoholfreie Getränke doch in der Regel etwas günstiger und man trinkt auch nicht so viel.
Fazit: Warum ich weiter am „Clear Mind Quarter“ festhalte
Das „Clear Mind Quarter“ ist für mich weniger eine Phase der Entgiftung, sondern ein bewussterer Start ins neue Jahr sowie ein Neustart für Körper und Geist. Drei Monate ohne Alkohol mögen sich vielleicht wie eine Herausforderung anfühlen, doch die positiven Effekte überwiegen bei Weitem: besserer Schlaf, mehr Energie, mentale Klarheit und ein gesünderer Lebensstil.
Wer den „Dry January“ schon kennt, der kann es vielleicht ja einmal mit dem „Clear Mind Quarter“ versuchen. Drei Monate machen definitiv einen Unterschied – und wer weiß, vielleicht wird es auch für mehr Leute eine jährliche Tradition. Weniger Alkohol ist auf jeden Fall eine gute Entscheidung. Wenn es nach meinem Sohn geht, kann man auf Alkohol auch komplett verzichten. Wir werden sehen, wie lange er dabei bleibt, aber mit knapp 15 Jahren hat er bisher komplett auf die Erfahrung Alk & Tabak verzichtet und ich hoffe, dabei bleibt es noch eine Weile. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Eltern hier auch eine Vorbildfunktion haben und ein moderates Konsumverhalten vorleben sollten.
Titelbild generiert mit Canva KI

